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Anleitung · Heizung

Heizkörper entlüften: Saisonstart-Anleitung mit Tipps

Wenn ein Heizkörper oben kalt und unten warm wird oder beim Aufheizen gluckert, ist Luft im System. Entlüften ist eine 10-Minuten-Routine, die jeder Hausbesitzer und Mieter selbst durchführen kann — und die im Herbst vor der Heizsaison ohnehin Pflicht ist. Hier die professionelle Anleitung für effizientes Entlüften.

Von Andrea Schmid, Hausgeräte-Technikerin & Servicepartnerin

Warum Heizkörper Luft im System haben

Luft im Heizkreis hat drei Quellen:

  1. Frisches Nachfüllwasser: enthält gelösten Sauerstoff. Beim ersten Aufheizen wird er ausgetrieben, sammelt sich oben in Heizkörpern.
  2. Diffusion durch Kunststoffleitungen: bei Fußbodenheizungen mit nicht-diffusionsdichten Rohren langsame Sauerstoff-Aufnahme.
  3. Mikro-Leckagen: an undichten Verschraubungen tritt minimal Sauerstoff ein, gleichzeitig sinkt der Druck.

Luftblasen oben im Heizkörper verhindern, dass Heizwasser durchfließt. Folge: oberer Bereich bleibt kalt, die Heizleistung sinkt. Bis zu 15 % Mehrverbrauch sind möglich.

Wann musst du entlüften?

Klare Anzeichen:

  • Heizkörper oben kalt, unten warm
  • Gluckern oder Rauschen beim Aufheizen
  • Heizkörper wird gar nicht warm, obwohl Ventil offen
  • Einzelne Räume bleiben kalt

Empfehlung: jeden Herbst vor der Heizsaison alle Heizkörper entlüften. Bei sehr alten Anlagen oder häufigem Nachfüllen auch zwischendurch.

Werkzeug

Was du brauchst (alles für 5-10 €):

  • Entlüftungsschlüssel (Vierkant, im Baumarkt ca. 2 €) — vergiss billige Plastik-Varianten, das Metall reißt schnell
  • Lappen oder kleinen Becher — beim Entlüften kommt Wasser
  • Eimer mit etwas Wasser — falls mehr Wasser kommt
  • Wasserwaage (optional) — für gerade ausgerichtete Heizkörper

Die richtige Reihenfolge

Damit das Entlüften effektiv ist, gibt's eine klare Reihenfolge:

  1. Heizung ausschalten oder mindestens 1 Stunde Pause — die Pumpe muss stehen, sonst saugst du die Luft wieder ins System
  2. Vom untersten Stockwerk nach oben entlüften — Luft sammelt sich oben, daher steigt sie beim Entlüften nach
  3. Im gleichen Stockwerk: vom Heizkörper, der dem Heizraum am nächsten ist, weg
  4. Bei jedem Heizkörper: vollständig öffnen, bis nur noch Wasser kommt
  5. Nach allen Heizkörpern: Druck am Heizkessel prüfen — nach Entlüftung sinkt er meist um 0,2-0,5 bar, ggf. nachfüllen

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Thermostatventil voll aufdrehen — auf maximale Stufe.

Schritt 2: Entlüftungsventil finden — typischerweise oben am Heizkörper, kleines Vierkant-Ventil unter einer Plastikkappe.

Schritt 3: Lappen und Becher bereitstellen — direkt unter das Ventil.

Schritt 4: Entlüftungsschlüssel auf das Ventil setzen, gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Schritt 5: Zuerst zischt Luft — leichte Drehung reicht. Wenn nichts kommt: System ist nicht unter Druck, Druck zuerst nachfüllen.

Schritt 6: Gluckern und Wasser-Luft-Gemisch kommt — Becher unter das Ventil. Weiter offen lassen.

Schritt 7: Sobald gleichmäßig Wasser kommt, sofort schließen.

Schritt 8: Lappen drum, Vierkant zudrehen, Plastikkappe wieder drauf.

Nach dem Entlüften

  1. Druck prüfen: am Manometer im Heizkessel. Sollwert kalt: 1,5-2,0 bar.
  2. Wenn unter 1,0 bar: Wasser nachfüllen (siehe separater Artikel zum Wassermangel F22).
  3. Heizung wieder einschalten und 30 Minuten beobachten.
  4. Heizkörper anfassen: jetzt überall gleichmäßig warm?
  5. Wenn ein Heizkörper trotzdem oben kalt bleibt: nach 30 Min nochmal entlüften — beim ersten Mal war oft noch nicht alle Luft draußen.

Häufiger Fehler — Heizung dabei nicht ausschalten

Wenn die Pumpe weiterläuft, saugt sie beim Öffnen des Entlüftungsventils Luft in den Heizkreis und verteilt sie überall neu. Folge: nach 30 Minuten ist alles wieder voller Luft. Daher immer Pumpe vor dem Entlüften stoppen.

Wenn Entlüften nicht reicht

Wenn ein einzelner Heizkörper trotz mehrfachem Entlüften kalt bleibt:

  • Thermostatventil klemmt: Ventil mit Mehrfachem Auf-/Zudrehen testen. Bei klemmendem Stift: Spritzer Caramba auf den Stift, vorsichtig hebeln.
  • Heizkörper verkrustet: bei alten Heizkörpern sammelt sich Schlamm. Spülung durch SHK-Fachbetrieb (300-800 € für ganze Wohnung) oder einzelnen Heizkörper ausbauen und spülen.
  • Hydraulischer Abgleich fehlt: bei großen Anlagen mit vielen Heizkörpern bekommen einzelne nicht genug Wasser. Hydraulischer Abgleich (BAFA-gefördert, 300-1.500 €) löst das.

Vorbeugung — weniger Entlüften nötig

  • Mikroblasen-Abscheider einbauen lassen: scheidet Luft im Heizkreis ab. Einmalige Investition 300-500 €, Wartungsaufwand sinkt massiv.
  • Magnetit-Filter: fängt Eisenoxid-Schlamm ab, schützt Pumpe und reduziert Korrosion (= weniger Luftbildung).
  • Geschlossenes Ausdehnungsgefäß kontrollieren: bei defekter Membran tritt Luft ein.

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