Drehwinkel-Anzug
Anzugverfahren, bei dem nach einem Vorspannmoment um einen definierten Winkel weitergedreht wird — typisch für Dehnschrauben.
Der Drehwinkel-Anzug (englisch: Torque-to-Yield, TTY) ist das moderne Standardverfahren für hochbelastete Schraubverbindungen am Motor. Statt nur ein Drehmoment vorzugeben, definiert der Hersteller eine Sequenz aus Vorspannmoment plus Drehwinkel.
Beispiel-Sequenz: 30 Nm Drehmoment + 90° Drehwinkel + 90° Drehwinkel + 30° Drehwinkel. Beim Vorspannmoment werden alle Schrauben gleichmäßig angesetzt, danach wird in plastischen Bereich gefahren. Vorteil: Die Vorspannkraft ist bei Dehnschrauben deutlich gleichmäßiger und reproduzierbarer als bei reinem Drehmoment-Anzug.
Werkzeug: Drehmomentschlüssel + Drehwinkelmesser (mechanisch mit Skala oder elektronisch mit Anzeige, 30-150 €). Bei Werkstatt-Reparaturen sind Drehmomentschlüssel mit integriertem Drehwinkelmesser Standard.
Reihenfolge wichtig: Bei Zylinderkopfschrauben sind sowohl Anzug-Reihenfolge (Spirale von Mitte nach außen) als auch Schritte (1. Lockerung, dann mehrstufiges Anziehen) im Reparaturhandbuch genau dokumentiert. Abweichungen führen zu Zylinderkopfverzug und ungleichmäßiger Dichtfunktion.
Auch bekannt als
- Winkelgrad-Anzug
- Torque-to-Yield
Beispiele
- Zylinderkopf VW EA288 (2.0 TDI): 30 Nm + 90° + 90° + 30° in 6-Punkt-Stern-Reihenfolge.
- Pleuel-Schrauben Audi V8: Anziehen 30 Nm, dann 90° in einem Zug ohne Pause (sonst Kerbeffekt).