Dehnschraube
Schraube, die beim Anziehen plastisch in die Streckgrenze gezogen wird — darf nicht wiederverwendet werden.
Dehnschrauben (auch plastisch verformte Schrauben oder Streckgrenze-Schrauben) sind spezielle Verbindungselemente, die beim Anziehen über die elastische Grenze hinaus plastisch verformt werden. Dadurch ergeben sich extrem definierte und reproduzierbare Vorspannkräfte — gleichmäßig auf allen Schrauben einer Verbindung.
Erkennung: Verlängerter Schaft zwischen Kopf und Gewinde (sichtbare Dehnzone), Aufschrift der Festigkeitsklasse (z.B. 12.9), oft in der Werkstattliteratur explizit als "Dehnschraube" gekennzeichnet. Typische Anwendungen: Zylinderkopfschrauben, Pleuelschrauben, Hauptlagerschrauben, Kurbelwellenzentralschraube, Schwungrad-Schrauben, Spurstangen.
Anzugverfahren: Drehmoment-Drehwinkel-Anzug. Beispiel: 30 Nm Vorspannmoment + 90° Drehwinkel + 90° Drehwinkel. Während der ersten 30 Nm wird elastisch angezogen, ab dem ersten Drehwinkel beginnt die plastische Verformung.
KRITISCH: Dehnschrauben sind Einweg-Bauteile! Nach einmaligem Anziehen sind sie plastisch verformt — Wiederverwendung führt zu Bruch durch Materialermüdung. Bei jeder Reparatur, die eine Dehnschraube löst (Zylinderkopf-Demontage, Pleuel-Lager-Wechsel, etc.), MÜSSEN neue Schrauben verwendet werden. Werkstätten, die das nicht tun, sind kriminell unverantwortlich.
Auch bekannt als
- Plastische Schraube
- Streckgrenze-Schraube
Beispiele
- Bei Zahnriemenwechsel mit Kurbelwellen-Demontage: Zentralschraube IMMER neu — Reparaturkit-Schraube 5-25 € im Werkstattzubehör.
- Pleuelschrauben Mercedes M271: Einmalverwendung, ~20 € pro Satz von 8 — Sparmaßnahme ohne neue Schrauben ist Schwachsinn.